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OLIVER ZILLE, 49, seit 1991 bei der Leipziger Buchmesse und seit 2004 als Direktor gesamtverantwortlich für Messe und Lesefest "Leipzig Liest"
Wie präsentiert sich Europas größtes Lesefest in Zeiten, in denen Verlage eher mit geringeren Marketingbudgets auskommen müssen?
Sowohl die Messe mit ihren Ausstellern als auch das Lesefest "Leipzig liest" zeigen sich trotz der Krise sehr stabil. Das Veranstaltungsprogramm hat sogar noch an Vielfalt und Umfang gewonnen. Sichtbare Zuwächse haben wir im Kinder- und Jugendprogramm zu verzeichnen, vor allem deshalb, weil viele Verlage für Lesungen verstärkt Partnerschaften mit Schulen suchen. Die Zeichen stehen gut, dass auch der Buchmessejahrgang 2010 ein erfolgreicher wird.
Wo sehen Sie die Stärken der diesjährigen Leipziger Buchmesse?
Als Publikumsmesse bilden wir zunächst einmal das gesamte inhaltliche Spektrum des aktuellen Buchmarktes ab. Innerhalb dessen setzen wir aber klare Schwerpunkte. Leipzig ist primär eine Entdeckermesse für junge deutschsprachige und mittel-, ost- und südosteuropäische Literatur. In den vergangenen Jahren haben wir dafür mit Partnern neue Veranstaltungsreihen wie die "L3 – die Lange Leipziger Lesenacht", die Literaturparty "Litpop" oder die Entdeckerreihe "Prosaprognosen" etabliert. Für viele Autoren ist die Leipziger Buchmesse der Start ihrer Karriere im Literaturbetrieb. Generell zieht sich die Nachwuchsförderung wie ein roter Faden durch die gesamte Messe. Das beginnt bei der Leseförderung für Kinder, setzt sich bei den Programmen für jüngste und junge Autoren und im Comicbereich beim Manga-Talente-Wettbewerb fort und geht bis hin zum Karrieretag Buch und Medien, der potenziellen Nachwuchs für die Buchbranche aufspüren soll.
Nachwuchsförderung sichert die Zukunft. Aber die öffentliche Wirkung der Buchmesse wird doch wesentlich von den Star-Autoren geprägt. Wen dürfen die Besucher in diesem Jahr in Leipzig erwarten?
Sie dürfen sich auf große Namen der Literaturszene freuen, wie beispielsweise die beiden deutschen Literaturnobelpreisträger Herta Müller und Günter Grass oder Schriftsteller wie Martin Walser, Tahar Ben Jelloun, Christoph Hein, Martin Suter, Javier Tomeo und Clemens Meyer, um nur einige wenige aus der Vielzahl zu nennen.
Darüber hinaus tritt in Leipzig aber auch eine ganze Reihe bekannter Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Kultur auf. Nina Hagen beispielsweise und Ben Becker, Marianne Sägebrecht, Katharina Thalbach, Karel Gott und viele, viele andere. Sprecherstars gibt es unter anderem in der ARD-Radionacht der Hörbücher, die in diesem Jahr ihr zehntes Jubiläum feiert. Dort wird man unter anderem auf Harry Rowohlt, Dieter Mann und Axel Hacke treffen.
Drei ganz persönliche Tipps von mir, was man keinesfalls zur Messe verpassen sollte: Unbedingt die neue Autorenbuchhandlung in Halle 5 besuchen, in der man signierte Bücher seiner Favoriten erstehen kann, die Verleihung zum Preis der Leipziger Buchmesse am Donnerstag in der Glashalle und am Samstag die große Balkannacht im UT Connewitz.
Was macht "Leipzig liest" so attraktiv für die Leipziger und die Gäste?
Zum einen ist es die Größe der Unternehmung und die ganz besondere Atmosphäre während der vier Tage, die sich derart nur in Leipzig einstellt. Alle auf der Messe ausstellenden Verlage können beim Lesefest mitmachen und schaffen so eine enorme Bandbreite des Programms. Es gibt Angebote für jede Altersklasse und – fast – jeden Geschmack: Vom hoch literarischen Programm über Stars aus Kultur und Gesellschaft, vom Hörbuch über das Kinder- und Jugendprogramm bis zu Comic und Manga.
Zum anderen ist es die außergewöhnlich intensive Verbindung zwischen der Messe, der Stadt und deren wichtigsten kulturellen Einrichtungen. Jedes Jahr beteiligen sich über 300 Veranstaltungsorte! Alles konzentriert sich auf die Literatur, und ganz Leipzig feiert dann Buchmesse.
Zum Abschluss eine persönliche Frage: Was liest der Buchmessedirektor gerade?
Derzeit lese ich von Claudio Magris "Die Donau". Sehr gespannt bin ich auf Clemens Meyers neues Buch "Gewalten", und als eines der nächsten werde ich auch "Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben" von Ulrich Raulff lesen: Der Titel ist für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.
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